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Zukünftige Kinderbetreuung in der Gemeinde Stetten

21.12.2017 16:14

Das Dorfsterben geht in vielen ländlich geprägten Regionen Deutschlands um. Junge Menschen zieht es in die Ballungsräume. Zurück bleibt die ältere Generation und leerstehende Gebäude. Läden, Kindergärten und Schulen müssen schließen. Bei uns in der Gemeinde Stetten ist das zum Glück anders. Wir haben eine gesunde Altersstruktur und eine funktionierende Infrastruktur. Um diesen Status zu erhalten, muss die Gemeinde Stetten in Zukunft für junge und berufstätige Menschen attraktiv bleiben. Entscheidende Faktoren sind hierfür unter anderem das Angebot und die Qualität der Kinderbetreuung.

Aktuell betreibt die Gemeinde Stetten zwei Kindergärten. Der Kindergarten Löwenzahn im Ortsteil Erisried bietet 25 Plätze. Davon sind 15 belegt. Nur vier Kinder kommen aus Erisried, drei aus Stetten und der Rest aus Nachbargemeinden. Im Kindergarten Spatzennest in Stetten gibt es 30 Plätze, von denen 24 mit Kindern ausschließlich aus Stetten belegt sind. Hinzu kommen noch 12 Plätze für die Mittagsbetreuung von Grundschulkindern, von denen aktuell zehn in Anspruch genommen werden. Krippenplätze kann die Gemeinde Stetten nicht anbieten. In der Vergangenheit wurden Nachfragen diesbezüglich mit freien Kapazitäten der Krippengruppe in Dirlewang gedeckt.

Es gibt nicht viele Gemeinden in unserer Größenordnung, die gleich zwei Kindergärten betreiben können. Damit waren wir in Vergangenheit sicher gut aufgestellt. In der Zwischenzeit hat sich aber vieles geändert:
Laut der Bedarfsermittlung des Landratsamtes werden die Kinderzahlen in Stetten steigen und in Erisried auf einem so niedrigen Niveau verharren, dass die Mindestbelegung für die Landkindergartenförderung gar nicht erreicht wird.  Zudem steigt die Nachfrage nach verlängerten Betreuungszeiten und vor allem die Nachfrage nach Krippenplätzen. Und die Eltern verweisen zunehmend auf ihren Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. In diesem Kindergartenjahr war die Krippengruppe in Dirlewang ausgebucht. Die Nachfrage aus der Gemeinde Stetten konnte glücklicherweise dank Unterstützung aus einer Nachbargemeinde gedeckt werden. Wir können aber nicht davon ausgehen, dass Nachbargemeinden auch in Zukunft unseren Bedarf decken werden. Zudem ist zu erwarten, dass die Gemeinde Stetten durch das geplante Baugebiet weiter wachsen wird.

Vor diesem Hintergrund müssen in der Gemeinde Stetten die Weichen für eine zukunftsorientierte und bedarfsgerechte Kinderbetreuung neu gestellt werden. Deshalb hat der Gemeinderat eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die sich aus Entscheidern, Bürgern und Fachleuten zusammengesetzt hat. Ihr Ziel war es, die Grundlagen für die zukünftige Kinderbetreuung zu erarbeiten und dem Gemeinderat Handlungsempfehlungen zu geben. Moderiert und geleitet wurde die Projektgruppe von Herrn Wilhelm Daurer vom Planungsbüro Daurer+Hasse, der bei der Moderation von Projektgruppen aus der Dorferneuerung viel Erfahrung mitbringt. Die finanziellen Mittel für diese Begleitung stammen aus dem Fördertopf der Dorferneuerung.

Die Projektgruppe hat sich im letzten halben Jahr insgesamt fünf Mal getroffen. Dabei wurden alle Fakten zusammengetragen und anhand der aktuellen Vorgaben des Landratsamtes geprüft, welche Lösungen für das Realisieren von zwei Kindergarten- und einer Krippengruppe in Frage kommen. Vorrangiges Ziel war dabei, die aktuellen Einrichtungen durch Umstrukturierung bzw. Umbau weiter zu nutzen. Dazu wurde der Rat des Architekturbüros Traut aus Marktoberdorf eingeholt. Im Laufe der Diskussion hat sich jedoch herauskristallisiert, dass sich der erforderliche Raumbedarf in den jetzigen Einrichtungen nicht realisieren lässt und nur ein Neubau in Frage kommt, in dem zentral alle Gruppen zusammengefasst werden können. Parallel hat das Architekturbüro Traut mehrere Vorschläge erarbeitet, wie sich ein Neubau, der alle Anforderungen abdeckt, auf gemeindeeigenen Flächen im Ortsteil Stetten errichten lässt.

In der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates Stetten vom 11.12.2017 hat Herr Daurer gemeinsam mit Frau Sailer vom Landratsamt die Ausgangssituation und die Ergebnisse der Projektgruppe vorgestellt. Die wichtigsten Punkte waren hierbei die Empfehlung eines Neubaus und das Vorstellen einer Planvariante, welche der Projektgruppe mit Blick auf die aktuelle Grundstücksverfügbarkeit am sinnvollsten erschien. Der Gemeinderat zeigte sich offen für die Vorschläge. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. In den nächsten Sitzungen wird es nun darum gehen, die von der Projektgruppe erarbeiteten Grundlagen aufzugreifen und die weiteren Schritte in die Wege zu leiten.

Sollte der Gemeinderat den von der Projektgruppe vorgeschlagenen Weg beschreiten, werden sicher einige das Schließen des Kindergartens Löwenzahn in Erisried als Verlust betrachten. Das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig möchte ich aber auf die vielen Chancen und Vorteile hinweisen, die ein moderner Neubau mit zeitgemäßem Betreuungsangebot für alle Kinder und Eltern aus beiden Ortsteilen bieten kann. Daher bitte ich um Offenheit und Wohlwollen für dieses Projekt. Schließlich geht es darum, dass unsere Gemeinde auch in Zukunft für junge Menschen attraktiv bleibt und uns nicht irgendwann auch das Dorfsterben ereilt.

Richard Linzing
Erster Bürgermeister

Stetten, den 21. Dezember 2017

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